Das Video auf einen Blick
- Video
- Die richtige Bildrate für jeden Dreh: So filmst du perfekt (9:56 Minuten)
- Online seit
- 17. April 2026
- Anlass
- die Diskussion in den Kommentaren unter dem Video zu den drei Kamera-Tricks
- Die Standards
- Kino 24 fps, PAL 25 fps (50 Hz), NTSC 29,97 fps (60 Hz), höhere Bildraten für Zeitlupe
- Kernaussage
- Wähle nicht die Bildrate, die im Internet am lautesten verteidigt wird, sondern die, die zu Zweck, Licht, Workflow und Look passt. Im deutschsprachigen Raum: 25 fps als Standard.
Die meisten glauben, für YouTube gibt es nur eine richtige Bildrate, und genau deshalb schwirrt zu dem Thema online so viel Halbwissen herum. Der größte Fehler ist, einfach 24, 25 oder 30 fps nachzuplappern, ohne zu verstehen, wofür du filmst und was das für Look, Licht und Schnitt bedeutet.
Im Video zeige ich dir klar und ohne Herumraten, welche die richtige Bildrate für welchen Zweck ist, und am Ende bekommst du meine konkrete Empfehlung, mit der du in der Praxis sofort richtig filmst. Der Anlass war eine spannende Diskussion in den Kommentaren unter meinem Video zu den drei Kamera-Tricks. Unten die Einordnung zum Nachlesen.
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Mehr InformationenErst die Frage: Wofür filme ich?
Die wichtigste Erkenntnis zuerst: Es gibt nicht die eine richtige Bildrate für YouTube, es gibt nur die falsche Gewohnheit, jede Produktion nach derselben Zahl zu filmen. Die bessere Frage lautet nicht „Welche Framerate ist die beste?", sondern „Wofür filme ich, und in welchem System soll das Material sauber funktionieren?". Also Kino, TV, Online oder Spezialanwendungen wie Messe, POS-Display oder immersive Systeme.
Kino heißt in der Regel 24 Bilder pro Sekunde und steht für den cineastischen Look, den wir alle lieben. Bei den TV-Standards steht PAL in Europa für 25 fps und NTSC im nordamerikanischen Raum für 30 fps, genauer 29,97 fps, auch bekannt als Drop Frame. Das sind keine magischen Qualitätsstufen, sondern historische und technische Standards, angelehnt an die Wechselfrequenz der Stromnetze: 50 Hertz in Europa, 60 Hertz in den NTSC-Ländern.
Genau da fängt das Problem an. Manche sagen pauschal, 24 fps seien cineastischer, andere, 30 fps seien Pflicht für online. Beides ist als Regel zu kurz gedacht. Denn sobald du Frameraten unnötig mischst oder Material beim Export künstlich anpasst, riskierst du genau das, was du vermeiden willst: unruhige Bewegungen, doppelte Frames, sichtbares Ruckeln. YouTube selbst empfiehlt, Videos in ihrer nativen Framerate hochzuladen.
Licht und Verschlusszeit gehören dazu
Die praktische Ableitung ist simpel: Entscheide zuerst nach dem Einsatzzweck, dann nach der Aufnahmeumgebung. Basiert dein Projekt auf einer bestehenden Framerate, bleib dabei. Produzierst du für eine bestimmte Ausspielung, orientiere dich daran. Und wenn du mit Kunstlicht, LEDs oder generell in einer 50-Hertz-Umgebung filmst, kommt ein zweiter Punkt dazu: Dann muss nicht nur die Framerate, sondern auch die Verschlusszeit passen, sonst flackert deine Aufnahme. Das lässt sich im Schnitt teilweise mit Plugins korrigieren, ist aber Zusatzaufwand, der unnötig Zeit frisst. Hauptverantwortlich für flickerfreie Wiedergabe ist die passende Shutter Speed, und wer tiefer einsteigen will, findet bei RED einen Online-Rechner dafür.
Stell dir ein Talking-Head-Video in Deutschland unter LED-Licht vor. Dann ist nicht zuerst wichtig, ob du 24, 25 oder 30 fps schöner findest, sondern: Läuft dein Setup stabil ohne Flackern, passt es sauber in deinen Schnitt, bleibt die Bewegung natürlich? Da trennt sich Praxis von Kommentarspalte.
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Meine Empfehlung: 25 fps als Standard
Du musst das Thema nicht komplizierter machen, als es ist. In den allermeisten Fällen brauchst du keine Grundsatzdiskussion, sondern eine klare Standardentscheidung, die in deinem Workflow zuverlässig funktioniert. Meine Empfehlung: Wenn du im deutschsprachigen Raum für YouTube, Online oder TV filmst, nimm 25 fps als Standard. Nicht aus Theorie, sondern aus vielen Jahren Praxis, in denen ich genau so gearbeitet habe, ohne jemals Schwierigkeiten zu haben.
Warum? Weil du damit in einer 50-Hertz-Umgebung sauber unterwegs bist, Lichtprobleme im Griff hast und dein Material im Schnitt konsistent bleibt. Du bist nah am klassischen Kino-Look und gleichzeitig technisch entspannter als mit 30 fps.
Das Vorurteil: 25 fps ruckeln auf YouTube
An dieser Stelle kommt das Vorurteil, das ständig wiederholt wird: 25 fps würden auf YouTube Microjudder und Ruckler verursachen, weil viele Displays mit 60 Hertz laufen. Der technische Kern ist nicht aus der Luft gegriffen. Wenn die Framerate des Videos nicht sauber zur Bildwiederholrate des Displays passt, kann durch die Umrechnung Judder entstehen, besonders bei langsamen Schwenks. 25p auf einem starren 60-Hertz-Signal ist mathematisch erst einmal kein perfektes Match.
Daraus abzuleiten, 25 fps seien für YouTube grundsätzlich problematisch, ist aber zu pauschal. YouTube empfiehlt ausdrücklich die native Framerate und nennt für Filmquellen sogar 24 oder 25p als bestes Ergebnis. Moderne Geräte passen die Ausgabe oft an die Framerate des Inhalts an, Apple TV bietet dafür zum Beispiel Match Frame Rate. Auf gut Deutsch: Ja, ein 60-Hertz-Display kann unter bestimmten Bedingungen Judder sichtbar machen. Nein, das ist kein Beweis, dass 25 fps die falsche Wahl sind. Wer hauptsächlich Talking-Head-Videos produziert, kann den Effekt getrost vernachlässigen.
Wann 24, wann 30, wann mehr
24 fps setzt du ein, wenn du bewusst den cineastischen Look willst und dein komplettes Projekt darauf ausrichtest. Nicht weil 24 magisch besser wäre, sondern weil es eine gestalterische Entscheidung ist. 30 fps sind sinnvoll, wenn dein Workflow darauf ausgelegt ist, du mit Geräten arbeitest, die sauber in 30 aufnehmen, oder für einen Kontext produzierst, in dem dieser Standard gesetzt ist. Einfach 30 zu nehmen, weil online angeblich immer 30 richtig sind, ist zu kurz gedacht. Und höhere Bildraten, also 50, 100, 120 fps und mehr, sind nicht dafür da, dass dein Talking-Head hochwertiger wirkt. Sie sind das Werkzeug für Zeitlupe, nicht der Standard für alles.
Die Bildrate ist eine dieser Entscheidungen, die vor dem Dreh fallen und im Schnitt nicht mehr korrigierbar sind. Deshalb steht sie bei mir ganz am Anfang des Ablaufs, lange bevor die erste Timeline entsteht. Wie dieser Ablauf vom Rohmaterial bis zum fertigen Film aussieht, zeige ich dir im kostenlosen Videotraining.
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Mein Fazit
Wenn du dir nur eine Sache merken willst: Wähle nicht die Bildrate, die im Internet am lautesten verteidigt wird, sondern die, die zu deinem Zweck, deinem Licht, deinem Workflow und deinem Look passt. Und wenn du eine Startempfehlung aus meiner Praxis willst: 25 fps als Standard, hohe Frameraten nur für Zeitlupe, alles andere nur, wenn es für deinen konkreten Zweck Sinn ergibt. Wie Bildrate, Verschlusszeit und Blende zusammenspielen, liest du im Beitrag 3 Kamera-Tricks für messerscharfe Videos.
Über den Autor
Michael J. Müller ist studierter Tonmeister und seit über 30 Jahren in der Medienproduktion tätig. Er führt die SamPlay GmbH, produziert Film, Foto und Livestreams für Unternehmen und zeigt auf seinem YouTube-Kanal und bei colorgrading.net, wie aus einer Idee ein fertiger Film wird: Skript, Dreh, Schnitt, Color Grading, Ton und der sinnvolle Einsatz von KI. Alle Beispiele in diesem Beitrag stammen aus seinen eigenen Projekten.