Das Video auf einen Blick

Video
Resolve kann jetzt Fotos?! Neue Photo Page: Lightroom-Killer oder Spielerei? (8:57 Minuten)
Online seit
24. April 2026
Werkzeug
DaVinci Resolve 21 Public Beta, Photo Page
Was schon geht
RAW-Entwicklung, Alben, Tagging, Bewertungen, IntelliSearch, Tethering (Sony und Canon), Lightroom-Katalog-Import, direkter Weg in Color und Fusion
Was fehlt
Leica- und Panasonic-RAW, Panorama-Stitching, HDR-Merge, ein Katalogsystem wie in Lightroom Classic
Kernaussage
Kein Hype, kein Abwinken, sondern ein sehr vielversprechender Anfang. Auf Lightroom kann ich noch nicht komplett verzichten.

Resolve kann jetzt Fotos, und natürlich stellt sich sofort die Frage: Ist das ein echter Lightroom-Killer oder einfach nur ein nettes neues Menü? Genau das habe ich mir angeschaut, aus Sicht eines Profis, der seit Jahren mit Lightroom arbeitet und Resolve ohnehin täglich offen hat.

Im Video zeige ich, was die Photo Page in DaVinci Resolve 21 im echten Workflow schon erstaunlich gut kann, für wen sie heute wirklich relevant ist und an welchen Stellen man merkt, dass das Ganze eben noch Beta ist. Unten die Einordnung zum Nachlesen.

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Mehr als neue Regler: Fotos als Teil des Resolve-Ökosystems

Die Photo Page in DaVinci Resolve 21 mit einem Foto von Füllfederhaltern auf einem Notizbuch, links das Album, rechts Scopes und RAW-Regler
Die Photo Page: Album links, RAW-Entwicklung rechts, Scopes wie auf der Color Page.

Die wichtigste Erkenntnis zuerst: Ob die Photo Page Lightroom ersetzen kann, entscheidet sich nicht an einzelnen Reglern. Der entscheidende Punkt ist, dass Resolve Fotos nicht länger als Zusatzfunktion behandelt, sondern als vollwertigen Teil der Resolve-Welt, wie die Edit Page oder die Color Page. In Lightroom beurteilst du vieles aus Sicht der klassischen Fotoverwaltung und RAW-Entwicklung. Resolve denkt größer.

Die Photo Page ist von Anfang an mit dem Rest verzahnt. Du reichst hochaufgelöste Bilder aus Alben direkt an Color, Fusion und Edit weiter, ohne erst in einem Programm zu entwickeln und in einem zweiten weiterzubearbeiten. Dazu kommen echte Organisationsfunktionen: Tagging, Favoriten, Bewertungen, Album-Sammlungen und AI IntelliSearch für die inhaltliche Suche. Genau da beginnt der Unterschied zwischen einer netten neuen Funktion und einem relevanten Profi-Werkzeug.

Das Capture-Fenster der Photo Page mit einer angeschlossenen Canon EOS 5DS R, Blende, Verschlusszeit und ISO
Tethering direkt in Resolve, bisher nur für Sony und Canon.

Sogar Tethering ist möglich, also die direkte Aufnahme per Kabel in den angeschlossenen Rechner, eine Profi-Funktion, die bisher Capture One und Lightroom vorbehalten war. Allerdings im Moment nur für Sony- und Canon-Kameras, weshalb ich das als Leica-Nutzer leider nicht testen konnte.

Für Fotografen ist deshalb nicht entscheidend, ob Resolve heute schon alles beherrscht, was Lightroom kann. Die spannendere Frage lautet: Spart mir das in meinem realen Workflow Zeit, reduziert es Reibungsverluste, erspart es Programmwechsel? Und für Hybrid-Creator, die Foto und Video ohnehin gemeinsam denken, wird es extrem interessant. Wer Resolve schon für Schnitt oder Grading nutzt, bekommt jetzt RAW-Kontrolle, Basisentwicklung, Look-Aufbau und die bekannten Profi-Werkzeuge in einem System.

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Der Workflow: vom Album in die Color Page

Ein Foto von drei Kindern auf einer Hängebrücke im Vorher-Nachher-Vergleich in DaVinci Resolve
Vom Album in die Color Page: dasselbe Foto mit echten Resolve-Werkzeugen weiterbearbeitet.

Resolve kommt aus einem professionellen Umfeld, in dem Farbmanagement, präzise Scopes, Node-basiertes Arbeiten und tiefe Systemintegration zum Fundament gehören. Diese DNA bringt Blackmagic jetzt in die Fotobearbeitung. Für jemanden, der schnell ein paar Urlaubsbilder entwickeln will, ist das vielleicht überdimensioniert. Für Profis und ambitionierte Creator kann genau das der Punkt sein, an dem Resolve ernsthaft relevant wird.

Stell dir vor, du fotografierst ein Editorial oder einen Travel-Shoot und willst aus denselben Bildern einzelne Fotos ausgeben und einen kurzen Film, ein Intro oder eine Animation. In Resolve importierst du die Bilder, legst ein Album an, sortierst und bewertest, machst RAW- und Basisanpassungen und springst dann direkt in die Color Page, um mit echten Resolve-Werkzeugen weiterzugehen. Wenn du mehr willst, öffnest du dasselbe Bild in Fusion. Alles unter einer Haube. Das ist für mich der wichtigste Punkt: Das Foto bleibt Teil eines durchgängigen Projektsystems, statt nur Zwischenstation auf dem Weg zum Export zu sein. Dass Resolve sogar Lightroom-Kataloge importieren kann, zeigt, dass Blackmagic gezielt daran arbeitet, Fotobearbeitung, Grading und Weiterverarbeitung zusammenzuführen.

Fair bleiben: Was der Beta noch fehlt

Lightroom Classic mit einer Belichtungsreihe für ein HDR-Panorama in der Architekturfotografie
Was Resolve noch nicht kann: HDR-Merge und Panorama-Stitching wie in Lightroom Classic.

Wer heute fragt, ob Resolve Lightroom schon ersetzen kann, bekommt keine pauschale, sondern eine differenzierte Antwort. Die Formatunterstützung ist noch begrenzt: In den offiziellen Beta-Unterlagen führt Blackmagic bei den nativen RAW-Fotoformaten Canon CR3, Fujifilm RAF, Apple ProRAW, Nikon NEF und Sony ARW auf. Leica- oder Panasonic-RAW sind bislang nicht dabei. Das kann noch kommen, aber der aktuelle Stand ist nicht vollständig.

Dazu fehlen Funktionen, die für viele Lightroom-Nutzer Standard sind: Panorama-Stitching, HDR-Merge und HDR-Panorama. Gerade in der Architekturfotografie arbeite ich regelmäßig damit, sie sind für meinen Workflow essenziell, und sie sind in Resolve 21 noch nicht angekommen. Ähnlich bei der Bildverwaltung: Resolve bietet inzwischen deutlich mehr als eine Albumstruktur, aber Lightroom Classic setzt auf ein eigenständiges Katalogsystem, das Vorschauen, Bearbeitungen und Organisationsdaten zentral verwaltet, ohne die Originale anzutasten. Das erreicht eine andere Tiefe als eine projektorientierte Verwaltung innerhalb eines Postproduktionssystems.

Und genau an dieser Stelle wird das Thema größer als die Photo Page. Ob ein Werkzeug in deinen Ablauf passt, entscheidet nicht die Featureliste, sondern die Frage, an welcher Stelle deiner Postproduktion es sitzt. Wie mein Ablauf vom Rohmaterial bis zum fertigen Film aufgebaut ist, und warum die Reihenfolge wichtiger ist als jedes einzelne Tool, zeige ich dir im kostenlosen Videotraining.

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Mein Fazit

Resolve 21 ist schon als Beta extrem spannend und strategisch absolut ernst zu nehmen. Die Photo Page ist stark genug, um Lightroom erstmals wirklich unter Druck zu setzen, besonders für alle, die Foto, Look und Video nicht länger in getrennten Welten denken wollen. Für viele Fotografen ist das aktuell aber eher ein starker erster Aufschlag als die vollständige Ablösung. Ich freue mich, dass Blackmagic die Photo Page integriert hat, und bin gespannt auf alles, was folgt. Auf Lightroom kann ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht komplett verzichten. Was von der fertigen Version 21 nach drei Monaten im Alltag geblieben ist, liest du im Beitrag DaVinci Resolve 21: Was nach 3 Monaten bleibt.

Michael J. Müller im Studio der SamPlay GmbH

Über den Autor

Michael J. Müller ist studierter Tonmeister und seit über 30 Jahren in der Medienproduktion tätig. Er führt die SamPlay GmbH, produziert Film, Foto und Livestreams für Unternehmen und zeigt auf seinem YouTube-Kanal und bei colorgrading.net, wie aus einer Idee ein fertiger Film wird: Skript, Dreh, Schnitt, Color Grading, Ton und der sinnvolle Einsatz von KI. Alle Beispiele in diesem Beitrag stammen aus seinen eigenen Projekten.